ANTIKE KELIMS, TEPPICHE UND TEXTILIEN VON ANATOLIEN BIS ZENTRALASIEN
Antike Gewebe sind Träger einer der ältesten textilen Mustersprachen. Wir sehen uns selbst als eine kleine Oase, die einen Blick darauf ermöglicht. Um sie kennenzulernen – durch Beobachtung und Reflektion, vielleicht auch durch das Teilen persönlicher Eindrücke.
Diese Gewebe sind nicht nur Bodenbeläge, sondern Botschafter für uns. Von Frauen gewoben, die via Bild, Farbe und Form ihre Tradition und ihre Bedeutungen eine Sicht der Welt vermitteln, die lange vor dem geschriebenen Wort entstanden ist. Kleine Details können auch etwas über die Weberin und ihre Persönlichkeit mitteilen. Es gibt keine Biographien und keinen Persönlichkeitskult. Im näheren Umfeld war aber die Wichtigkeit der Botschaft immer ein wichtiger Teil der Identität und von Inhalten, die über den Alltag hinausgehen.
Es ist Kunst. Es sind Bilder, die über kulturelle Unterschiede hinweg empfunden oder verstanden werden können.
Viele der ausgestellten Objekte findet man in Museen und Sammlungen. Es gibt immer noch zu wenig öffentlich sichtbare Orte. Antike Kelims erschliessen sich nicht auf den ersten Blick. Es sind alles Einzelstücke, und sie stammen nicht aus Manufakturen. Es ist der immer noch zu wenig bekannte oder respektierte 'Transport' von Geschichte, Schönheit, der Wahrnehmung der Welt durch die Weberinnen nomadischer oder bäuerlicher Herkunft. Die Formen werden seit Jahrtausenden beibehalten und von Mutter an die Töchter weitergegeben. Ohne Zeichnungen, ohne Einflussnahme von aussen. Sie haben die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts stark geprägt und das wird auch heute noch nicht genug geschätzt und wahrgenommen. Trendorientierte Produzenten bedienen sich seit eh und je an diesem Schatz. Das ist nicht zu vermeiden. Wenn man allerdings das authentische Gewebe neben eine Kopie legt, wird meist sehr schnell sichtbar, wo was und wie es vermittelt wird.
UNSERE NEUEN KELIMS: IN ZENTRALANATOLIEN VON FRAUEN ZUHAUSE GEWOBEN
Inspiriert von anatolischen Kelims von ca. 1700-1830. Strahlende Farben, die heute noch leuchten. Die Kelims sind oft lang und schmal. Wir bleiben so nah wie möglich beim Original mit Farben und Formen, aber verändern die Grösse. Bei uns passen breitere, kürzere Kelims besser in der Proportion zum Raum.
Verwendet wird hervorragende Wolle aus der Region, gefärbt mit natürlichen Farbstoffen, wenn möglich in der Farbskala von 1700 bis 1820. Die so entstehenden neuen Kilims sind robust, von großer Schönheit und führen die Tradition fort. Die Weberinnen sind Bäuerinnen, einige von ihnen mit einem nomadischen Hintergrund. Sie weben zuhause, im Winter, wenn Felder und Tiere weniger zu tun geben. Die Frauen sind sehr motiviert – stolz auf ihre Webkunst und zufrieden mit dem guten Preis, den sie damit erzielen.
Das Projekt wurde vor etwa 30 Jahren von jungen Händlern in Konya begonnen und geht auch jetzt, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, gut. Sie färben die Wolle selbst, und tragen die Verantwortung für das Resultat und den Verkauf an Detaillisten.
Wir geben Kelims in Auftrag, die meist von frühen Fragmenten aus der Gegend mit ihrer wunderbaren Farbpalette inspiriert sind. Die Grösse wird unseren Räumen angepasst, denn die Originale sind traditionell sehr lang und schmal. Auch wenn Farben und Formen vorgegeben sind, lassen es sich die Weberinnen nicht nehmen, mit Nuancen zu spielen. Es sind Meisterinnen, und das wissen sie. Das sieht man ihren Kelims auch an. Die schönsten davon sind nah dran an der Grandezza der Kelims, die um 1800 in der Gegend gewoben wurden.
TRADITIONELLER SCHMUCK UND ANTIKE BEADS AUS VERSCHIEDENER KULTUREN
Unsere Stärke ist authentischer Schmuck traditioneller Gesellschaften in Asien und Afrika. Materialien sind Silber, Beads aus Korallen, Lapis, Türkis, Bernstein, Achaten und antikem Glas aus verschiedenen Epochen. Menschen schmücken sich schon seit der Steinzeit mit Muscheln und Steinen.
Bereits vor mehr als zehntausend Jahren schmückten sich die Menschen. Am Anfang konnten härtere Steine noch nicht durchbohrt werden. Wir zeigen gern die entsprechende Skala in einer der besten Publikationen zum Thema. 'The History of Beads from 30'000 B.C. to the Present', Lois Sherr Dubin. Was viele nicht wissen, ist wie lange schon Schmuck und Beads über sehr weite Distanzen gehandelt wurden. Arlette Bollag hat vor mehr als 40 Jahren angefangen, sie zu sammeln. Sie stellt Halsketten zusammen, die aus der gleichen Zeit und Kultur stammen. Das ist nicht nur Geschichte - Menschen haben sich immer geschmückt. Es kann, muss aber nicht den kulturellen Hintergrund spiegeln, in dem man aufgewachsen ist.
TÜLÜ, FILIKLI, SIIRT - UNSER FRÜHLINGSTHEMA AM NEUMARKT
Geknüpft auf der Alp, der Yayla, für kalte Nächte sind Tülüs meistens archaischer in der Zeichnung und freier gestaltet. Die Frauen knüpfen die Tülüs für ihre Familie und man sieht das auch. Es ist alles drin.
Tülüs - von tüylü, fedrig, locker, wurden oft auf der Alp (Yayla) geknüpft.
Ähnlich wie in der Schweiz, lebten Viehzüchter im Winter im Dorf und im Sommer auf der Yayla. Nur sind die Dimensionen anders, eine Yayla kann sehr viel grösser sein. Man lebte im Zelt oder einer Art Rustico. Die Schafe und Ziegen wurden geschoren, die Wolle gewaschen, gesponnen, gefärbt und auf einem kleinen, transportablen Webstuhl weiche, hochflorige Tülüs geknüpft, mit mehreren gewobenen Schüssen zwischen den geknüpften Reihen. Am Tag wurden die Tülüs zusammengerollt, am Abend hat man darauf geschlafen. Je nach Klima und Fruchtbarkeit der Gegend war dieser Ortswechsel horizontal oder wie in den Alpen vertikal.
Erst seit kürzerer Zeit findet man Tülüs und Filiklis im Verkauf und es gibt teilweise sehr schöne neue Produktionen, die entweder von Frauen zuhause geknüpft werden oder in kleinen Manufakturen. Mainstream waren sie nie und werden es wohl auch nie sein. Uns haben sie schon immer fasziniert. In anderen Ländern mit ähnlicher Lebensweise kennt man diese Schlafteppiche auch und sie alle sind sowohl funktionell aber auch viel mehr. Das spürt man auch.
Über uns:
Nomadenschätze, 1979 gegründet von Arlette Bollag und Toni Hutmacher. ist seit 2009 in dieser lebendigen inspirierenden Gasse zu finden.Die allererste Ausstellung fand in Gstaad im Hotel Palace statt - im Januar 1979. Arlette Bollag, Toni Hutmacher, mit usbekischer Jurte, drin Haute Volée beim Aprèsski. Gute Exponate, leicht irrealer, memorabler Beginn einer langen Reise mit vielen Stationen, Begegnungen und Akzent auf Wissensvermittlung. Fotos aus unserer Geschichte von 1979 bis heute: Zum anklicken oben.
Zur Gasse und unserer Nachbarschaft:
Am quirligen Neumarkt darf das Niederdorf noch ein wenig Dorf sein. bis hin zum ausladenden Brunnen, aus dem man trinken kann.
Im daneben liegenden Zunfthaus – wo einst Lenin den grossen Umsturz plante und sich die kommunistische Schweiz traf – lockt nun das Theater Neumarkt mit gewagtem Schauspiel. Den prächtigen Grimmenturm wollte die Stadtpolitik einmal noch abreissen lassen, heute beherbergt sie im anliegenden rosa Haus ihr baugeschichtliches Archiv – mit über 150’000 Fotografien und Plänen.
Wenn der Winter dem Frühling weicht wird die Gasse zum Wohnzimmer für Bewohner und Flanierer. Man sitzt in der Sonne, trinkt etwas, liest, spricht mit Menschen am Nebentisch. Bei Mabilio Ramos im Comestibles kann man sich aus einem grossen Angebot etwas zum Essen kaufen, oder im neu eröffneten Kiosk von Hakan und seiner Frau ganz oben an der Gasse warme kurdische Sandwiches, Linsensuppe und feine Salate. Oder man setzt sich in eines der feinen Restaurants.
Die Geschäfte sind einzigartig, die meisten aus der Passion der Besitzer entstanden, die über ihr Metier sehr viel wissen. Die meisten sind sehr individuell unterwegs, haben sich aber zum Verein Qim1 zusammengeschlossen, der die verschiedenen Interessen im Quartier erfolgreich vertritt.
Die Gasse lebt. Kommen und Gehen. Vom nahen Schulhaus kommen Kinder und Jugendliche, aus den Hinterhöfen Katzen, aus den Museen faszinierte Menschen, die die Stadt neu entdecken.
Gegründet 1979, SEIT 2009 AM NEUMARKT 13: OFFEN FÜR ALLE - OB MAN ETWAS SUCHE ODER SICH UMSEHEN MÖCHTE
Kompetente, unaufdringliche mehrsprachige Beratung
Im Turnus: ARLETTE BOLLAG,Hassan Kerrouch, Merlin L. Platt, Muriel Kuoppala Lässer.
DIENSTLEISTUNGEN: Restaurierungen, Schätzungen für Objekte, die unserem Bestand entsprechen: Einzelstücke mit traditionellem nomadischem oder bäuerlichen Hintergrund aus der Türkei, dem Iran, Afghanistan, Usbekistan. Restaurations- und Reinigungstipps. Anfragen bitte per Mail mit Foto.
VERANSTALTUNGEN: Sie werden auf unserer Homepage gezeigt.
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